Was ist ein Pressevertrieb?
Wer sich heutzutage im Einzelhandel eine Zeitschrift oder eine Zeitung kauft, hat in der Regel keine Vorstellung davon, wie viele Menschen und Unternehmen dafür sorgen, Sie mit aktuellen Informationen, spannenden Berichten und kurzweiliger Unterhaltung zu versorgen.

Auf den folgenden Seiten können Sie erfahren, welche Aufgaben dabei ein Pressegroßhändler fast 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche übernimmt.

Ein Pressevertrieb liefert in seinem regionalen Liefergebiet Zeitungen und Zeitschriften von allen Verlagen, Nationalvertrieben und Importeuren an sämtliche Einzelhandelsgeschäfte. Insgesamt gibt es derzeit 70 Pressegroßhändler in der Bundesrepublik Deutschland.
Besonderheiten des Pressevertriebs
Der Pressegroßhandel unterscheidet sich deutlich von anderen Großhandelsbetrieben. Die Grundlage hierfür liegt im Grundrecht aller Bürger auf freie Meinungsäußerung einerseits und umfassende Versorgung mit Presse anderseits. Mit dem Artikel 5 unseres Grungesetzes

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

wurde die Möglichkeit der Gleichschaltung der Presse und zur Unterdrückung unbequemer Meinungen ausgeschlossen. Pressefreiheit, Pressevielfalt und Vertriebsfreiheit sind garantiert. Die Väter des Grundgesetzes zogen damit die Lehren aus der beängstigenden und skrupellosen Manipulation und Gleichschaltung der Presse zur Zeiten des Nationalsozialismus. Zur ungehinderten Verbreitung von Presse müssen aber auch die entsprechenden Vertriebsmöglichkeiten garantiert werden. Die Presse-Grossisten übernehmen die neutrale Versorgungs- und Verteilungsfunktion. Sie sind aufgrund ihrer Marktstellung verpflichtet, ihre Dienstleistungen allen Verlagen und Pressezeugnissen gleichermaßen zur Verfügung zu stellen. Um dies zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber für das Presse-Grosso wegen seiner einzigartigen Marktstellung Pflichten und Rechte definiert, die es vom herkömmlichen Großhandel in mancherlei Hinsicht unterscheidet.
Zu den Besonderheiten gehören:
Abläufe im Pressevertrieb
Disposition
Die vom Verlag festgelegte Menge eines einzelnen Objektes muss für jede einzelne Ausgabe so auf die Einzelhändler verteilt werden, dass der erwarteten Nachfrage Rechnung getragen wird. Hierbei geht es darum möglichst viele Konsumenten zu erreichen und die Remission so gering wie möglich zu halten. Diese tägliche Herausforderung für unsere Disponenten wird unterstützt durch das Standardverfahren zur Bezugsregulierung, die marktorientierte Bezugsregulierung (MBR) sowie das von der Dillmann + Co entwickelte Verfahren MARDER. Auf Basis dieser Regulierungsverfahren wird die Bezugsmenge jedes Einzelhändlers durch Zusammenführung seiner vorhergesagten Verkaufsmenge und einer Verkaufsreserve festgelegt.
Anlieferung
Über den gesamten Tag verteilt werden die Zeitschriften der einzelnen Verlage angeliefert. Insbesondere die Tageszeitungen werden erst kurz vor Beginn der Kommissionierung in der Nacht angeliefert.
Komissionierung
Über den Tag verteilt und in der Nacht werden die aktuellen Zeitungen und Zeitschriften von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Versandabteilung zu kundenindividuellen Sendungen zusammengestellt und 'just-in-time' den Spediteuren zur Verladung und anschließenden Auslieferung zugeführt.
Auslieferung
Nacht für Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen, bei nahezu jedem Wetter liefern 47 Spediteure die Zeitungen und Zeitschriften pünktlich bei den Einzelhändlern an. Mit Hilfe eines der leistungsfähigsten Tourenplanungsverfahren werden die Touren so geplant, dass eine pünktliche Anlieferung bei kürzestmöglichem Weg gewährleistet ist. Überdies wird die pünktliche Anlieferung täglich mit Hilfe der transponderbasierten Anlieferzeitenerfassung überwacht. Jährlich legen unsere Spediteure über 830.000 Kilometer zurück.
Nachlieferung
Auch die besten Regulierungsverfahren auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse können den exakten Verkauf nicht immer vorhersagen. Um Ausverkäufe zu vermeiden, liefern wir stark nachgefragte Ausgaben innerhalb kürzester Zeit im Rahmen von Zusatzauslieferungen nach. Jeder Einzelhändler kann telefonisch, per Telefax oder per E-Mail weitere Exemplare bei uns nachbestellen. Nach Möglichkeit am gleichen Tag, sonst am nächsten Morgen liefern wir die Nachbestellung aus. Unterstützt wird dieser Nachlieferservice durch die elektronische Übermittlung der Presseverkäufe (VMP = verkaufstägliche Marktbeobachtung am Point-of-Sale, bei Kassenabschluss melden teilnehmende Einzelhändler ihre Presseverkäufe des aktuellen Tages per Datenfernübertragung). Auf Basis dieser Daten kann ermittelt werden, ob und in welchem Umfang Ausgaben einzelner Zeitschriften nachgeliefert werden müssen. Aber auch der Nachfrage nach Zeitschriftentiteln die nicht zum Standard-Sortiment des betroffenen Einzelhändlers gehören können wir durch die Nachlieferung entsprechen.
Kundenbetreuung
In regelmäßigen Abständen, aber auch bei dringenden Fragen, besucht unser Außendienstteam die von uns belieferten Händler. Vor Ort werden Informationen ausgetauscht, die helfen, den Geschäftsablauf zu optimieren und den Absatz zu steigern. Umsatzgespräche und Sortimentsoptimierung gehören ebenso dazu, wie die Präsentation neuer Verkaufshilfen, die Vorstellung neuer Objekte oder die Präsentation aktueller Marketingkampagnen und Verkaufsförderungsaktionen der Verlage und des Hauses Probst & Heuser.
Remission
Bereits seit einigen Jahren wurden täglich die Remissionen bei den Einzelhändlern eingeholt. Das Mobile logistics System garantiert dabei höchste Transparenz und eine lückenlose Verfolgbarkeit. Die Remission dient dem Einzelhandel dazu, nicht vorhersehbare Nachfragespitzen abdecken zu können. Die Einzelplatzverarbeitung garantiert eine fehlerfreie und schnelle Verarbeitung der Remissionen und damit eine schnelle Gutschrift für den Einzelhändler.

Unterstützt werden diese Prozessschritte durch die zentralen Abteilungen IT und Technik, Rechnungswesen, Personalwesen, Controlling sowie Marketing.
Sortiment
Unser Pressesortiment in Deutschland ist so bunt und vielfältig wie nirgendwo sonst auf der Welt.Über 4.500 in- und ausländische Zeitungen und Zeitschriften, Mode-, Rätsel- und Romanhefte, Comics und Taschenbücher wetteifern um die Gunst der Leser, und es werden täglich mehr.Die Kreativität der Verlage, die uns jeden Tag neue, attraktive Produkte anbieten stellt die Basis dar, aus der wir jedem unserer Einzelhändler ein individuelles Sortiment zusammenstellen können, das auf die Bedürfnisse seiner Kundschaft abgestimmt ist.
Marketing
  • Tägliche Nachlieferbereitschaft
  • Regelmäßige Sortimentsoptimierung
  • Regelmäßige Verteileranalysen
  • Beratung zur Sortimentspräsentation
  • Beratung zur Ladengestaltung
  • Auswahl und Angebot von Zusatzsortimenten
  • Hinweise auf regionale, saisonale und redaktionelle verkaufsbeeinflussende Faktoren
  • Verkaufstägliche Marktbeobachtung am 'point of sale' (VMP)
  • Facheinzelhandelsinitiative (FEH)
  • Vertriebslinienkonzepte
  • Aktuelle Information über wichtige Neuigkeiten im Pressemarkt
  • Informations- und Schulungsveranstaltungen für die Einzelhandelskunden
  • Marktforschung
  • Optimierung der Bezugsmengen
  • Online-Info und Bestellchannels
  • Gebührenfreie Faxerreichbarkeit
  • Ehastra, Einzelhandelsstrukturanalyse
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